G·E·M Pressemitteilungen
07.09.2007
»Die Markenartikel-Industrie muss sich viel einfallen lassen, um sich zu behaupten«
Guido Sandler als Gast beim 6. G·E·M Kamingespräch
»Die Markenartikel-Industrie muss sich viel einfallen lassen, um sich zu behaupten.« Eine solche Aussage kann glaubhaft nur von einer Persönlichkeit kommen, die lange genug selbst in diesem Metier gelebt und erfolgreich gearbeitet hat.
Das trifft auf den Ehrengast, den die G·E·M Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens e.V. zu ihrem 6. G·E·M Kamingespräch am 3. September 2007 geladen hatte, voll und ganz zu: Dr. Guido Sandler.
Vor fünfzig Jahren, am 1. September 1957, ist Sandler als 29-Jähriger zur Firma Oetker gekommen; mit 38 Jahren wurde er Vorsitzender der Geschäftsleitung des Markenartikel-Unternehmens Dr. August Oetker; von 1981 bis 1997 war er als einer der persönlich haftenden Gesellschafter des Familien-Unternehmens mitverantwortlich für Strategie und dezentrale Organisationsstrukturen der Oetker-Gruppe.
Der Vortrag, den Dr. Guido Sandler im Kaminzimmer im Hause MCM Klosterfrau in Köln hielt, war überschrieben mit: »Wie weit können Handels-Marken noch wachsen – welche Gegenmaßnahmen bieten sich der Markenartikel-Industrie?«
Eine kritische Geschichte, die uns da bevorsteht
Angefangen hat alles mit den No-Names; die Handels-Marken kamen erst später, als die Diskounter die Differenzierung vom Wettbewerb mit eigenen Marken suchten. Was die Handelsmarken an Umsatz machen, das fehlt dem Markenartikel, kommentiert Sandler. Und aufgrund der eigenen reichen Erfahrung, gepaart mit aktuellen Zahlen, warf er einen Blick auf die in Entwicklung in Deutschland und Europa. Die großen Einkaufsverbände des Handels organisieren sich international. Das ginge zwar schwer und langsam, aber das Einkaufsvolumen sei schon beachtlich. »Da steht uns noch etwas ins Haus. Eine kritische Geschichte, die uns da bevorsteht.«
Was sollen wir als Markenartikler tun?
Was können Markenartikler im Nahrungsmittelmarkt tun, um dieser Situation entgegenzuwirken? – fragte Dr. Guido Sandler in die Runde. Und gab als Antwort: Produkte, die dem Verbraucher wirklich interessant erscheinen und nicht nur einmal gekauft werden. Als Beispiel nannte er Nestlé, die auf Umwelt und health care setzen, damit Umsatz und Gewinn machen. Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden – das sind lohnende Felder.
Das ist unsere große Chance
Sandler nannte als Faktoren, die dafür sprächen, dass die Verbraucher sich wieder mehr dem Markenartikel zuwenden: die Zahl der Erwerbstätigen steigt und wir haben eine Wende im Handel. Das führt zu Mehrausgaben für Fast Moving Consumer Goods (FMCG), das sind die Treiber des Zuwachses im Lebensmitteleinzelhandel. Die Folge: weniger Preis-Promotions, mehr Nachfrage nach höherwertigen Produkten. »Wenn der Verbraucher sich mehr leisten kann, dann greift er zum Markenartikel. Das ist unsere große Chance.«
Was bleibt zu tun?
Auf die Themenstellung seines Referates »Wie weit können Handels-Marken noch wachsen – welche Gegenmaßnahmen bieten sich der Markenartikel-Industrie?« zurückkommend nannte Dr. Guido Sandler drei Themen, die es für Markenartikler zu beherzigen gilt: 1) dem Markenartikel treu bleiben, 2) wirklich neue Produkte kreieren, keine me-too und 3) unmittelbar mit dem Verbraucher kommunizieren.
Auf die Frage, ob die Hersteller selbst zur Marktsituation im Markenbereich beigetragen hätten, indem sie Handels-Labels angeboten haben, antwortete Dr. Sandler deutlich: »Es ist eine Todsünde, wenn man den gleichen Inhalt im Markenartikel und in der Handels-Marke anbietet.«
Ein überzeugter Markenartikler
Dass Dr. Guido Sandler ein überzeugter Markenartikler ist, hat er oft genug zum Ausdruck gebracht. So z.B. am 25. Mai 1982 auf der Mitgliederversammlung des Markenverbandes in München, als er zum Vorstandsvorsitzenden des Markenverband e.V. gewählt wurde: »Verlässlichkeit in einer Zeit schwankender Werte macht den Markenartikel zum sicheren Orientierungspunkt für den Kaufinteressenten.«
In Anerkennung seiner Verdienste um die Weiterentwicklung des Marketing und insbesondere der Markenführung in Deutschland wurde Dr. Guido Sandler am 9. Dezember 1998 die Ehrendoktorwürde der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität, Münster, verliehen. Sandler erprobte u.a. neue Konzepte im Vertriebs-, Produkt- und Key Account Management und implementierte sie im Unternehmen. In seiner Funktion als Vorsitzender des Markenverband e.V., dessen Ehrenvorsitz er seit 1986 inne hat, trieb er die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel voran.
G·E·M KAMINGESPRÄCHE
Die G·E·M Kamingespräche im kleinen Kreis sind eine Plattform zur Förderung des Erfahrungsaustausches zum Thema »Erfolgreiche Markenführung«. Im Mittelpunkt des Abends steht jeweils als Ehrengast und Referent eine Persönlichkeit, die sich um Markenführung ganz besonders bemüht hat und über eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Marken verfügt.
Ehrengäste der bisherigen G·E·M Kamingespräche waren:
Dr. hc. Helmut O. Maucher, Prof. Dr. Helmut Sihler, Jürgen Schrader, Prof. Kurt Weidemann und Prof. Dr. Peter Littmann.
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Die G·E·M Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens ist eingetragener Verein mit dem Zweck, die wissenschaftlichen und empirischen Grundlagen der Marke zu erforschen. Sie wurde 1910 in Berlin gegründet und 1954 in Wiesbaden von Mitgliedsunternehmen des Markenverband e.V. wiedergegründet. Heute zählen neben Konsumgüter-Herstellern und Wissenschaftlern führende Unternehmen aus den Bereichen Forschung, Medien, Agenturen und Beratung zu ihren Mitgliedern.
Die G·E·M versteht sich als Informationsdrehscheibe und Forum für grundlegende und aktuelle Erkenntnisse zum Thema Marke und stellt den Transfer zwischen Wissenschaft und Unternehmenspraxis her.
Kontakt:
Wolfgang K.A. Disch, G·E·M Kuratorium
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