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Zehntes G·E·M Kamingespräch mit Hartmut Mehdorn

"Ein Unternehmen braucht ein Kunden-Sprachrohr in das Unternehmen hinein. Der Marketing-Chef, deutlich zu unterscheiden vom Vertriebs-Chef, ist der Vertreter der Kunden im Unternehmen." Das sind Worte von Hartmut Mehdorn, Ehrengast und Referent des 10. G·E·M Kamingesprächs am 22. April 2010 in der Smoker’s Lounge des Kempinski Hotel Gravenbruch Frankfurt.

Dr. Ing. e.h. Hartmut Mehdorn, gelernter Luftfahrt-Ingenieur, bot seinen Zuhörern an, sie mitzunehmen "in meine Bahn-Zeit". Das war die Zeit als Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn AG vom 16. Dezember 1999 bis 30. April 2009.

Doch Mehdorn schlug den Bogen weiter. Das Thema Bahn sei eine 175 Jahre alte Geschichte. Immer ging es um Mobilität für Güter und Menschen; die Bahn hatte einen wirtschaftlichen Vorsprung vor anderen Mobilitätsanbietern. In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg seien die wirtschaftspolitischen Einflüsse aber an der Bahn vorbeimarschiert. Es gab keine Kundenorientierung bei der Bahn. Kunden waren Beförderungsfälle. Es ging schlicht darum, Vorschriften zu beachten. Das war Bahn! – so Mehdorn.

Dieser Apparat war nicht auf Wettbewerb eingestellt. Das Ganze war auf der schiefen Ebene; die Bahn als Staatsbetrieb wurde verwaltet. Ein großes Problem dabei, dass der Vier- Jahresrhythmus einer Regierung kein langfristiges Denken zulässt.

Mit der Bahnreform, als die Bahn als Deutsche Bahn AG nach Unternehmensgesichtspunkten geführt wurde, ist die Deutsche Bahn aus der Behörde mutiert. Man begann zu üben, wie das echte Leben in der Wirtschaft funktioniert. Ziel war, die Bahn von der Politik abzunabeln, aus der Deutschen Bahn ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen zu machen. Ihr eine Kunden-Orientierung zu geben, die den Kunden in den Mittelpunkt stellt.

Als Hartmut Mehdorn auf "seine Bahn-Zeit" zu sprechen kam, die er als einen großen Änderungsprozess mit Höhen und Tiefen beschrieb, sprach er von "wir" und "unsere Aufgabe" und "bei uns bei der Bahn". Hohe Identifikation mit der Bahn und Leidenschaft für die Bahn prägten seinen Bericht.

Wir waren gezwungen, mit unseren Kunden deren Wege zu gehen. Wir haben die Mission der Bahn verändert. Nicht nur rail business, sondern immer mehr non rail business, d.h. vor und nach der Bahn-Reise, vor und nach dem Bahn-Transport. Wir haben eine Reise-Kette und eine Logistik-Kette ins Visier genommen. Den gesamten Transfer-Prozess. Wie schaffen wir es, besseren Service zu bieten? Uns ging es um die Effizienz der Bahn. Wir mussten Kostensparprojekte und altes Denken ausmerzen. Am Rande dazu die Anmerkung: Wir haben schlicht nichts gesagt über das, was wir vorhaben. Wir haben keine Vision verlautbart.

Auf die Frage, welche Marken-Botschaften er seinen Marketingleuten vorgegeben habe, sagte Mehdorn: Marke ist kein Selbstzweck. Das DB-Zeichen, liebevoll "DB-Keks" genannt, steht über den drei Geschäftsbereichen der Bahn: Mobility, Networks und Logistik. Seit Dezember 2007 wird die Konzern-Marke getragen von den drei Ressort-Marken DB Bahn, DB Netze und DB Schenker.

Worüber Mehdorn an diesem Abend nicht sprach, aber hierher gehört: Beim Marken-Award 2009 wurde die DB AG in der Kategorie "Beste Markendehnung" mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Der Marken-Award wird vom Deutschen Marketing-Verband zusammen mit der "absatzwirtschaft" vergeben. Die Deutsche Bahn wurde für die erfolgreiche Umsetzung ihres Konzeptes prämiiert, die mehr als einhundert ehemals eigenständigen Markenauftritte unter der Dachmarke "DB" neu zu strukturieren. Die Jury lobte vor allem das Konzept, die Marke DB auch auf den Logistik- und Transportbereich "zu dehnen" und dieses Geschäftsfeld unter DB Schenker zu vereinen.

Hartmut Mehdorn endete mit "Die Bahn ist ein phantastisches Unternehmen." Um anschließend eine intensive Diskussion mit den Teilnehmern des 10. G·E·M Kamingesprächs zu beginnen.

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Hartmut Mehdorn, geboren am 31. Juli 1942. Von 1961 bis 1966 Maschinenbau-Studium in Berlin, Abschluss als Diplom-Ingenieur mit Diplomarbeit über Turbinentechnik.
1966 bis 1978 in der Entwicklung von Focke-Wulf in Bremen und den Vereinigten Flugtechnische Werke GmbH (VFW), zuletzt als Leiter der Produktion der fünf Nordwerke. 1979 bis 1984 in der Geschäftsführung der Airbus Industrie S.A. in Toulouse verantwortlich für Produktion, Planung, Einkauf und Qualitätssicherung des Europäischen Airbus Programms. 1984 bis 1989 Leiter der MBB-Unternehmensgruppe Transport- und Verkehrsflugzeuge in Hamburg. 1985 zum Mitglied der Geschäftsführung von MBB in München berufen; 1989 bis 1992 in Personalunion Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Airbus GmbH in Hamburg. Ab 1992 Mitglied des Vorstands der Deutschen Aerospace AG in München, verantwortlich für den Unternehmensbereich Luftfahrt.
Von 1995 bis 1999 Vorsitzender des Vorstands der Heidelberger Druckmaschinen AG (Expansionsstrategie, im Dezember 1997 Börsengang) und ab 1997 zugleich Mitglied des Vorstands der RWE AG, verantwortlich für Nicht-Strom-Industriebeteiligungen.
Vom 16. Dezember 1999 bis 30. April 2009 Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn AG, Berlin; erst Sanierungskurs, dann Wachstum als Unternehmensziel.
Seit 1. Juli 2009 Mitglied des Board of Directors der Air Berlin PLC.
Für sein Engagement bei Airbus erhielt Hartmut Mehdorn 1982 das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1996 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Staatlichen Akademie für Druckwesen in Moskau, 2000 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Hamburg-Harburg verliehen und 2001 die Ehrensenatorenwürde der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

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Notizen von Wolfgang K.A. Disch, Hamburg, Mitglied des Kuratoriums der G·E·M Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens e.V.

Fotos: BILDSCHÖN, Berlin

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4 Bilder vom 10. Kamingespräch

vier Bilder vom
10. G·E·M Kamingespräch

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Quelle: Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens e.V., Veranstaltungen.
Online im Internet; URL: http://www.gem-online.de/veranstaltungen/kamingespraech/kamingespraech10.php/
[Stand: 21.04.2014, 15:14:36]