Zweites G·E·M Kamingespräch mit Prof. Dr. Helmut Sihler
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Gast und Referent des zweiten G·E·M Kamingesprächs am 4. Mai 2005 in Wiesbaden war Prof. Dr. Helmut Sihler. Er sprach vor Mitgliedern und geladenen Gästen der G·E·M über die Kraft der Marke und die Bedeutung der Menschen in den Unternehmen für die Entwicklung der Marke.
Helmut Sihler, Jahrgang 1930, war von 1980 bis 1992 Vorsitzender des Zentralvorstandes der Henkel KGaA, Düsseldorf, war CEO ad interim der Deutschen Telekom AG und ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche AG, Stuttgart.
Notizen aus dem Vortrag und der Diskussion mit Professor Sihler:
- Die Marke und der Markenartikel sind natürlich nicht identisch, aber es besteht eine innere Beziehung.
- Die Marke ist in der Flut der Informationen ein Punkt der Orientierung.
- Marken werden von Menschen gemacht. Aber diese Menschen haben sich immer selbst mit der Marke identifiziert.
- Es kommt immer auf die Menschen hinter der Marke an; ihre Identifikation ist schon ein bisschen mehr als ein rationaler Akt.
- Über Dr.-Ing. Wendelin Wiedeking, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Porsche AG: Aus Instinkt hat er sich zur Marke bekannt. Durch seine Überzeugung hat er die Marke gerettet.
- Die Marke ist ein Versuch, dem Wettbewerb zu entrinnen, den Wettbewerb durch ein Quasi-Monopol zu ersetzen.
- Eine Marke muss einfach sein; sie muss den Mut haben, dieses Einfache immer wieder auszudrücken.
- Mit der Marke muss ich einen Punkt treffen, dass der Verbraucher sagt: Dieses Produkt ist für mich wichtig.
- Über Manager: Wer sich auf Dauer nicht mit seiner Aufgabe identifiziert, kann langfristig nicht erfolgreich sein.
- Über Produkt-Manger (Helmut Sihler hat bei Henkel das Produkt-Management eingeführt): Der Produkt-Manager muss Unternehmer für seine Marke sein. Wir können nicht nur an der Spitze Unternehmer haben; wir müssen auch im Unternehmen Unternehmer haben.
- Der Produkt-Manager muss sich durchsetzen; er muss das Verkaufen im eigenen Unternehmen lernen.
Im Rahmen seiner Dankesworte zitierte Peter-Michael Thom, Vorsitzender der G·E·M, Helmut Sihler mit einem Gedanken aus dessen Vortrag "Neuorientierung unseres Denkens führt aus der Stagnation" auf der Jahrestagung der GfK 1975, vor 30 Jahren:
"Die Hersteller haben es auch selbst ein bißchen an Markentreue mangeln lassen - besser gesagt: an der Treue zur eigenen Marke und zum eigenen Konzept.
Wir haben teilweise vergessen, daß ein Markenartikel auch eine Seele hat, und wundern uns zu unrecht, wenn er für den Verbraucher seelenlos wird. Unbestritten ist doch wohl, daß eine Reihe großer klassischer Markenartikel immer wieder neue Inhalt bekam; neue Zielgruppen wurden diesen zugeschrieben, neue Kleider wurden ihnen verpaßt. Es gibt einige von ihnen, die diese Neuschöpfungen, diese konstante Kosmetik nicht überlebten.
Die großen Recken des deutschen Markenartikel-Denkens - z.B. Domizlaff und Weidenmüller - hätten dafür kein Verständnis gehabt. Sie hätten schon in diesem Krankwerden der Marken die gerechte Strafe für das gesehen, was wir tun. Haben wir doch teilweise den Markenartikel wie ein Zirkuszelt behandelt, das man überall auf- und abbauen kann. Wir hätten ihn eigentlich behandeln sollen wie einen Baum, der an einer bestimmten Stelle eingepflanzt, gehegt, gedüngt wird, vielleicht auch geliebt wird, den man auch mal zurückschneiden muß, der aber umsorgt werden muß, wenn er wirklich langfristig Früchte tragen soll."
Notizen von Wolfgang K.A. Disch, Hamburg, Mitglied des Kuratoriums der G·E·M Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens e.V.
Hinweis:
Unter der Überschrift "Neuausrichtung des Denkens. Prof. Dr. Helmut Sihler plädiert für Identifikation und Instinkt als Manager-Tugenden" ist in der Juni-Ausgabe 6/2005 des "markenartikel" ein Bericht von Wolfgang Borgfeld (Seiten 48-49) über das Zweite G·E·M Kamingespräch erschienen.





