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Viertes G·E·M Kamingespräch mit Prof. Kurt Weidemann

Ehrengast und Sprecher beim 4. G·E·M Kamin-
gespräch am 4. Mai 2006 in Wiesbaden war Prof. Kurt Weidemann. Vor Mitgliedern und geladenen Gästen der G·E·M referierte und diskutierte die "Gestalter-Legende" unter dem selbst gewählten Motto "Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht".

Notizen aus dem Vortrag von Kurt Weidemann

"Logos ohne zwingenden Grund ändern ist ein Verbrechen - nachdem oft Millionen ausgegeben wurden, um das Logo in die Köpfe der Menschen zu tragen."

Und Weidemann, der "Erscheinungsbildhauer", fügte hinzu:
"Bewege nicht dein Logo, bewege deinen Kopf
. Kosmetisch etwas verändern, das ist erlaubt, z.B. wenn es um die Verwendung in den elektronischen Medien geht. Aber immer muss der Charakter erhalten bleiben. Ist doch das Logo eine Übereinkunft mit der Persönlichkeit des Unternehmens."

"Für Prozessbeschleunigungen werden in der Gegenwart große Anstrengungen gemacht. Dass Zeit Geld ist, wurde uns schon von unseren Großvätern beigebracht. Weidemann fordert:
"Man sollte den Tempo-Zeitgeist kräftig gegen den Strich bürsten." Und als Beispiel: "Zu den Tugenden und Qualitäten, die uns verkümmert oder abhanden gekommen sind, gehört das Zuhören können. Voraussetzung dafür ist das Zeit lassen und das Zeit geben. Manchmal ist der Langsame schneller am Ziel als der Renner."

Ein Plädoyer Weidemanns für die Fähigkeit, langsamer zu leben. Ein Plädoyer für mehr Langsamkeit auch im beruflichen Leben - z.B. wenn es um die Führung von Marken geht. Brauchen sie doch viel Zeit, um in die Köpfe der Menschen getragen zu werden (s.o.).

Auf die Frage, wie man denn neue Ideen in ein Unternehmen hineinbringen kann, der Rat des Gestalters und Typografen Kurt Weidemann, belegt mit Beispielen aus seiner Beratungstätigkeit: "Man muss die Entscheidungsträger finden und mit diesen reden. Man muss vor allem mit dem Chef sprechen, oft dem einzigen Entscheidungsträger."

Und dann geht es darum, erst einmal die Idee im Unternehmen zu verkaufen, die Mitarbeiter zu Botschaftern zu machen. Dann erst geht es nach draußen. In einem Vortrag über Corporate Identity hatte Weidemann schon vor zehn Jahren gesagt:
"Bei den Bemühungen um zukunfts-gerichtete Formen der Unternehmens-Identität ist die Hauptaufgabe immer noch, das Umdenken in den Köpfen der Mitarbeiter zu bewirken."

Auf den Diskussionsbeitrag, dass durch den raschen Wandel im Produkt-, Marken- und Kommunikations-Management so manche gute Idee im Unternehmen wieder verlorengeht, gab Kurt Weidemann den Rat:
"Ich muss etwas so machen, dass die Kunden es mit Bordmitteln fortsetzen können. Wenn ich etwas abliefere, muss ich nicht mehr kommen müssen."

Das Motto des Abends "Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht" nochmals aufgreifend reflektierte Weidemann: "Es geht immer weniger darum, mit blindem Aktionismus die eine oder andere Richtigkeit durchzusetzen und immer weniger um die kritiklose Bejahung des Fortschritts. Vielmehr geht es um die Erkenntnis, dass man heute nicht mehr alles Menschenmögliche macht, sondern sich auf das Menschliche konzentriert."

Auf die Typografie bezogen hatte Weidemann schon früher scharf formuliert: "Typografie muss nicht bei jeder Trendwende neu erfunden werden. Unsere fünf Sinne wenden sich nicht mit." Und noch ein wenig deutlicher: "In der Typografie gibt es so wenig grundsätzlich neu zu erfinden wie in der Kochkunst und im Bett."

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Kurt Weidemann, Jahrgang 1922, lebt und arbeitet als Graphiker und Berater in Stuttgart. Nach einer Schriftsetzerlehre studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, an die später er auf einen Lehrstuhl für Information und Graphische Praxis zurückkehrte. Ferner lehrte er an der privaten Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz, an deren Aufbau er beteiligt war, und an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Weidemann entwickelte zahlreiche Schriften, u.a. die Corporate A,S,E, für den Daimler-Konzern. Er war Berater von Alfred Herrhausen und arbeitete als freier Gestalter und Unternehmensberater u.a. für Daimler Benz, Deutsche Bahn, E. Merck, Bankgesellschaft Berlin, Zeiss und Porsche. - Professor Weidemann ist Inhaber bedeutender Auszeichnungen, u.a. Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, Lucky Strike Designer Award der Raymond Loewy Stiftung zur Förderung von zeitgemäßem Industriedesign. Im Herbst vergangenen Jahres wurde die "Gestalter-Legende" Kurt Weidemann vom ADC Art Directors Club für Deutschland zum ADC Ehrenmitglied 2005 gewählt.

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Notizen von Wolfgang K.A. Disch, Hamburg, Mitglied des Kuratoriums der G·E·M Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens e.V.

Foto: Studio Köser, Frankfurt/Main

Einen ausführlichen Bericht bringt die Zeitschrift "markenartikel" in Heft 6/2006.

 

 

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Quelle: Gesellschaft zur Erforschung des Markenwesens e.V., Veranstaltungen.
Online im Internet; URL: http://www.gem-online.de/veranstaltungen/kamingespraech/kamingespraech4.php/
[Stand: 31.10.2014, 10:40:01]